01.04.2020 Hochzeit Herrig HNABei der HSG heimisch geworden
HANDBALL-OBERLIGA - Lara Al Najem findet ihr Glück bei den Plesse-Frauen
Bovenden/Nörten – Familiär geht bei den Handballerinnen und Handballern im Allgemeinen und bei der HSG Plesse-Hardenberg im Besonderen zu. Das kann sicher auch Lara Al Najem bestätigen. Die Mannschaftsführerin der Oberligasieben befindet sich mit ihrem Team in der vierten Saison.

Al Najem – ein in hiesigen Breiten eher ungewöhnlicher Name, der stutzen lässt. Und das hat seinen Grund. Der Papa stammt aus Syrien, Mama aus Jordanien. Lara selbst wurde in Kassel geboren und begann bereits im zarten Alter von vier Jahren in Bad Emstal, in der Folge bei der HSG Hoof/Sand/Wolfhagen (Hessen) mit dem Handball, um ihrem älteren Bruder Sinann nachzueifern. In der C-Jugend schaffte sie es in die Bezirksauswahl, später auch in die Auswahl Hessens. Als Lara 2006 ihr Studium in Göttingen aufnahm, pendelte sie noch eine Saison für Training und Spiel zu ihrem Heimatverein. „Mir wurden netterweise die Fahrten mit dem ICE bezahlt. Aber es war schon ein großer Aufwand. Dazu war ich spät abends allein unterwegs“, erinnert sich die Außenspielerin.

"Ich habe nie aufgegeben und hart an mir gearbeitet"
Lara Al-Najem-Herrig
So kam die Frage von Sabrina Rudolph, Dozentin des Handballkurses an der Uni und selbst für die HSG Osterode aktiv, ob sie nicht mal mit zum Probetraining in den Harz kommen wolle, nicht ganz ungelegen. Dort betrat sie zunächst in der Regionalliga, später in der 3. Liga, Neuland. Trainer Frank Mai formte die Regisseurin erfolgreich zur Außenspielerin um. Aber es dauerte seine Zeit. „Zwei Jahre habe ich viel gesessen, wenig gespielt. Aber ich habe nie aufgegeben und hart an mir gearbeitet.“ Das sollte sich in sieben erfolgreichen Jahren bei OHA auszahlen.

Als es dort 2016 mangels einer ausreichenden Personaldecke nicht weiterging, folgte Lara Al Najem dem Ruf von Tim Becker und schloss sich mit drei Teamkameradinnen der HSG an. „Tim hat uns überzeugt. Das Training hat Spaß gemacht. Wir hatten einfach ein gutes Gefühl“, erinnert sich Lara. Mit ihrem neuen Team gelang auf Anhieb der Aufstieg in die 3. Liga. „Auch wenn es dort sportlich nicht so gut lief, war es für viele eine gute Erfahrung. Und wir Neuen haben eine neue Liga und andere Mannschaften kennengelernt.“

Trotz des Abstieges ist die schnelle Lara der HSG treu geblieben. Warum? „Ich habe mich schnell wohlgefühlt. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre. Man sitzt nach dem Training noch zusammen, schaut Spiele gemeinsam. Da wächst man zusammen. Und ich mag das Umfeld.“ Gründe, die einleuchten. Und dass sie sich mittlerweile unter den Burgen richtig heimisch fühlt, liegt natürlich auch an ihrem Ehemann. Im Oktober des vergangenen Jahres gaben sich Lara und Sebastian Herrig im Standesamt der Hardenbergschen Burgruine das Ja-Wort. Wie es dazu kam? Plesses Kapitän schaute häufiger beim ehemaligen HSG-er Malte Jetzke vorbei. Der ziemlich beste Freund lebte in einer Wohngemeinschaft mit Lara Al Najem.

Neuerdings ist Lara Al Najem bei der HSG auch in das Trainergeschäft eingestiegen. Und hier kommt wieder Malte Jetzke ins Spiel. Der ehemalige Mitbewohner trainierte Plesses Reserve und wurde hin und wieder von Lara beim Coaching vertreten. Als Jetzke das Amt berufsbedingt aufgeben musste, kam die Anfrage aus dem Team, ob sie den Job nicht übernehmen möchte. „Verrückt“ war die erste Reaktion von Lara. Wenn überhaupt, dann nur im Gespann. Auf der Suche nach Unterstützung wurde sie bei Teamkameradin und Torhüterin Nele Röhrs fündig.

„Auf der Party zum 30. Geburtstag von Malte hat Nicolas Zimmer einen Vertrag aufgesetzt – auf einer Serviette! Nachdem Nele diese unterschrieben hatte, war die Sache in trockenen Tüchern“, erinnert sich Lara. Die Zusammenarbeit trug Früchte. Man fand schnell zueinander. „Wir haben unser heimliches Ziel, den Aufstieg in die Landesliga, erreicht. Auch dort schlagen wir uns prächtig. Das Team gehört in die Klasse.“

Derzeit ist die zum Homeoffice umfunktionierte Wohnung in Weende der Lebensmittelpunkt der beiden Handballer. „Zum Glück haben wir einen Garten. Das ist in der jetzigen Lage echter Luxus. Und bei dem Wetter macht es Spaß, rauszugehen.“ Dennoch hätten die sie wohl nichts dagegen, den grünen Rasen möglichst schnell wieder mit dem Parkett der Sporthallen in Nörten und Bovenden zu tauschen. Und damit sind sie nicht allein …  

01.04.2020 Hochzeit Herrig HNA

Hochzeit auf der Burgruine Hardenberg: Freunde und Teamkollegen stehen für Lara Al-Najem und Sebastian Herrig nach der Trauung mit roten Rosen Spalier. Foto: PRIVAT/nh

ZUR PERSON

Lara Al Najem-Herrig wurde am 9. Dezember 1986 in Kassel geboren. Ihre Eltern kamen 1970 nach Deutschland. Vater Schauki, der 1998 verstarb, studierte Medizin, Mutter Dana Wirtschaft und Politik. Sie hat zwei Brüder: Sinann (42 Jahre) und Sami (35). Mit Beginn des Studiums (Gymnasiallehramt für Deutsch und Sport) zog Lara nach 2006 nach Göttingen und unterrichtet seit 2014 an der IGS Bovenden.

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In Aktion: Lara Al-Najem-Herrig (re.) hat Göttingens Marieke Lieseberg abgehängt und zieht ab. Foto: HUBERT JELINEK/GSD