Menn vor Derby: „Haben durchaus die Chance, etwas mitzunehmen“

Die HSG Plesse-Hardenberg gastiert am Sonnabend beim TV Jahn Duderstadt (18 Uhr). HSG-Kreisläufer Daniel Menn (32) spricht vor dem Südniedersachsen-Derby in der Handball-Oberliga im Tageblatt-Interview über seine Duderstädter Vergangenheit, die geringen Chancen seiner Mannschaft im Abstiegskampf und das bevorstehende Karriereende.

Tageblatt: Am Ende dieser Saison werden Sie die Handballschuhe an den Nagel hängen. Das Spiel gegen Duderstadt wird Ihr letztes Derby sein. Blicken Sie dem mit Wehmut entgegen?

Das kann man schon sagen. Wobei ich mich selbstverständlich darauf freue, das Derby noch mitzunehmen. Wie ich mich am letzten Spieltag fühlen werde, kann ich noch nicht sagen. Es werden jetzt immer weniger Spiele. Da ist das Derby schon noch mal etwas Besonderes.

Drei Jahre lang haben Sie selbst das Trikot des TV Jahn getragen. Welche Bedeutung hat das Wiedersehen mit dem Ex-Klub?

Die Bedeutung nimmt ab, wenn Leute, mit denen man zusammengespielt hat, nicht mehr auf der Platte stehen. Aber vielleicht wird Matze Heim ja auch gegen uns spielen. Abgesehen davon ist es natürlich schön, alte Zuschauer wiederzusehen – man kennt sich.

Das Hinspiel gegen Duderstadt hat Ihre Mannschaft in eigener Halle nur knapp mit 24:26 verloren. Wie stehen die Chancen für das Rückspiel?

Wir hatten jetzt ein gutes Spiel gegen den Tabellenführer, das hat Braunschweig sich anders vorgestellt (22:27, Anm. d. Red). Die guten Sachen aus diesem Spiel nehmen wir mit. Derbys sind ähnlich wie Pokalspiele: immer offen. Die Trennung von Christian Caillat auf Duderstädter Seite sorgt nun für etwas Ungewissheit, das kann für beide Mannschaften positiv oder negativ sein. Ich glaube aber, dass wir durchaus eine Chance haben, da etwas mitzunehmen.

Der HSG Plesse-Hardenberg fehlen sieben Spiele vor Saisonende zehn Punkte auf das rettende Ufer. Die Situation ist scheinbar aussichtslos. Glauben Sie noch an den Klassenerhalt?

Natürlich ist es schwer, da brauchen wir nicht drumherum reden. Wir haben viele Spiele verloren, die wir hätten gewinnen können. Wir entwickeln uns, das ist gut. Ehrlich gesagt, gucken wir von Spiel zu Spiel. Wenn wir jetzt noch ein paar Punkte holen, können wir uns wieder damit beschäftigen. Wir haben den Klassenerhalt nicht abgeschrieben, aber es ist allen klar, dass es nicht gut aussieht.

Nicht nur die HSG strauchelt, auch Duderstadt kämpft um den Ligaverbleib, Rosdorf und Münden zum Beispiel stehen in der Verbandsliga unten drin. In welchem Zustand ist der Handball in Südniedersachsen?

Die Situation ist sehr schwierig und besorgniserregend, die Entwicklung ist nicht gut. Vor einigen Jahren noch haben mehrere Vereine in der dritten Liga gespielt oder waren in der Oberliga oben mit dabei. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die Vereine wollen keine Spielgemeinschaften bilden, das hängt an persönlichen Befindlichkeiten, anders ist das nicht zu erklären. Zudem habe ich den Eindruck, dass keine richtig guten Leute aus den Jugendbereichen mehr nachkommen.

Im Mai werden Sie das letzte Spiel Ihrer Karriere bestreiten. Welche Pläne haben Sie für die Zeit danach?

Wenn man seit dem sechsten Lebensjahr Handball gespielt hat, dann ist man auch weiterhin natürlich mit dem Sport verbunden. Ich drehe aber nicht gleich durch und mache den Trainerschein, sondern habe mir vorgenommen, die freie Zeit zu genießen und nicht jedes Wochenende irgendwo zu sein. Ich werde mich meinen Hobbys Bergsteigen und Pferde mehr widmen. Da freue ich mich drauf. Weniger Sport werde ich sicherlich nicht machen.