Handballer in der Region Göttingen haben Planungssicherheit: Saison wird beendet

Wie geht es weiter? Diese Frage haben sich die Verantwortlichen in der Region Göttingen/Eichsfeld in den vergangenen Wochen oft gestellt. Nun ist die Hängepartie vorbei: Die Handballsaison 2020/21 wird in den Oberligen, in der Verbandsliga und in den Landesligen abgebrochen.

Es nur noch eine Formsache: „Die Beschlüsse der Bundes- und Landesregierungen zwingen uns, die Saison für die Mannschaften der Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen für beendet zu erklären“, haben unisono Stefan Hüdepohl, Präsident des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN), sowie der Vizepräsident Spieltechnik Jens Schoof am Montagabend erklärt. Der Abbruch solle ohne Wertung aller bisher ausgetragenen Spiele erfolgen. Den offiziellen Beschluss des Präsidiums kündigen Hüdepohl und Schoof noch für diese Woche an. Zuvor sei noch Rechtssicherheit zu schaffen.

Der Entscheidung war ein reger Austausch mit den Vertretern der Ober- und Verbandsligen sowie eine schriftliche Abfrage der Landesliga- und Landesklassen-Vereine vorausgegangen. Allein von den 164 teilnehmenden Vertretern der Landesliga- und Landesklassen-Vereine hatte sich knapp 90 Prozent dafür ausgesprochen, die Saison abzubrechen beziehungsweise auf eine Wertung zu verzichten.

Auch Boyraz verlässt HSG Plesse-Hardenberg

Besonders hart getroffen hat die anhaltende Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen die HSG Plesse-Hardenberg. Sie muss sich für die Oberligateams der Frauen und Männer jeweils einen neuen Trainer suchen. Nach Artur Mikolajczyk (Tageblatt berichtete) hat sich jetzt auch Frauen-Coach Yunus Boyraz vom Burgenteam verabschiedet: „Ich habe der Mannschaft und dem Vorstand mitgeteilt, dass ich als Trainer mit sofortiger Wirkung aufhöre, da die aktuelle Situation einen normalen Trainingsbetrieb einfach nicht mehr zugelassen hat. Somit können sich beide Seiten sich auf neue Herausforderungen vorbereiten.“ Boyraz hatte die Mannschaft vor rund zweieinhalb Jahren kurz vor Beginn der Saison 2018/19 übernommen. „Aufgrund der Aussetzung des Spielbetriebes war es weder Trainer noch Spielerinnen oder Fans vergönnt den Erfolg der diesmal vollumfänglichen Vorbereitung zu erleben“, bedauerte die bei der HSG für die Frauen verantwortliche Teammanagerin Maike Lapschies.

Robert Heidhues, der Vorsitzende der HSG Plesse-Hardenberg, bezeichnete nach der Hängepartie der vergangenen Monate und angesichts der Vorgaben aus der Politik „die Entscheidung des HVN zum Spielabbruch nur folgerichtig. Damit können alle Beteiligten erst einmal durchatmen und sich in Ruhe auf die nächste Spielzeit konzentrieren. Wir hoffen alle, dass wir nach einer vernünftigen Vorbereitung im Herbst dieses Jahres wieder durchstarten können. Für die Verantwortlichen der HSG gilt gleiches. Viele Jugendtrainer bleiben an Bord.“ Für den Seniorenbereich gelte es nach dem Abgang der bisherigen Trainer der Oberliga-Mannschaften eine neue Lösung zu finden. Erste Gespräche würden laut Heidhues dazu bereits geführt.

Keine ordentliche Vorbereitung möglich

„Es musste jetzt einfach der Stecker gezogen werden“, sagte der Rosdorfer Jürgen Weißke, Mitglied des HVN-Spielausschusses und gewählter Interessensvertreter der Männer-Oberligen Niedersachsen und Nordsee sowie Funktionär des TV Jahn Duderstadt, zum Saisonabbruch. Durch die anhaltende Corona-Pandemie sei bei Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs eine notwendige, ordentliche Vorbereitungszeit über vier bis sechs Wochen zum Schutz der Mannschaften vor Verletzungen dringend notwendig. Würde man diese den Teams gewähren, würde das dazu führen, dass selbst eine einfache Runde nicht bis zum 30. Juni 2021 beendet werden könne.

Lennart Versemann, Trainer des Frauen-Oberligisten MTV Geismar, sprach „von der einzig richtigen Entscheidung. Die momentane Lage lässt leider einfach keinen Handball zu. Deshalb ist es vernünftig und sinnvoll die Saison abzubrechen.“ Sascha Heiligenstadt, der Coach des Frauen-Oberligisten MTV Rosdorf, hatte schon um die Jahreswende gemutmaßt, dass man Handball im Bereich des Amateursports nicht mehr so schnell erleben werde.

Vereine fordern Perspektiven vom Verband

Als „eine kluge Entscheidung“ bezeichnete Trainer Erik Hogreve vom Verbandsligisten MTV Rosdorf den Saisonabbruch: „Ich halte aber nach wie vor die Idee erstrebenswert, vor den Sommerferien eine Art lokalen Pokal auszuspielen und dann gegebenenfalls in eine relativ normalen Saisonstart 2021/22 überzugehen.“

Laut HVN-Präsident Hüdepohl unterstützt die überwältigende Mehrheit der Regionen und der Vereine den Abbruch, fordert gleichzeitig aber auch Perspektiven, den Handballsport wieder zu betreiben. Ziel müsse sein, zumindest zurück ins Training zu kommen, „um dann Spiele auf freiwilliger Basis in engen regionalen Grenzen nötigenfalls auch auf Rasen oder im Sand zu organisieren. Die Sportler in Niedersachsen brauchen eine Perspektive. Das setzt voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibt“, so Hüdepohl.