Plesse-Hardenberg verpatzt Heimpremiere

Die Frauen der HSG Plesse-Hardenberg haben ihre Heimpremiere in der 3. Handball-Bundesliga deutlich verpatzt. Im Duell der Aufsteiger mussten sich die Gastgeberinnen dem HV Chemnitz vor 200 enttäuschten Zuschauern in der Bovender Sporthalle glatt mit 20:25 (10:10) geschlagen geben.

Bovenden. Trainer Tim Becker war über die Art und Weise der Niederlage einfach nur stinksauer. „Taktische Undiszipliniertheiten und fehlende Einstellung“ bemängelte der Coach nach einer indiskutablen zweiten Halbzeit. „Wir haben das Spiel binnen zwölf Minuten hergeschenkt und sind in der Folge nur noch einem Rückstand hintergelaufen“, schimpfte sich Becker in Rage: „ Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen. Wenn wir gegen eine solche Mannschaft nicht gewinnen, dann wird es ganz schwer für uns, in der Liga zu bestehen.“ Der ungehaltene Trainer rief sein Team zum sofortigen Rapport in die Kabine, um ihm unmissverständlich vor Augen zu führen: „Das wird Konsequenzen haben.“

Nicht nur der Mannschaftsführerin Lara Al Najem, die die erste HSG-Führung zum 10:9 (29.) einnetzte, ging die Niederlage ganz schön unter die Haut: „Chemnitz war cleverer. Wir haben uns das Spiel selber versaut. Das ist eine bittere Pille.“ Dabei lief es bis zur 14:13-Führung (36.) durch den Neuzugang Alena Breiding (36.) eigentlich noch recht ordentlich. Den anfänglich nervösem Auftritt mit unnötigen Ballverlusten korrigierte die HSG in der von Isabel Marienfeld gut organisierten Deckung. Die Abwehr erfuhr mit Torfrau Carolin Menn einen weiteren Rückhalt. Die angehende Gymnasiallehrerin hielt ihre Vorderleute unter anderem mit zwei gehaltenen Siebenmetern immer wieder im Spiel.

Doch alle guten Vorsätze platzten mit laufender Zeit wie eine Seifenblase. Die HSG war einfach am Ende ihres Lateins, während der Aufsteiger aus Sachsen auf der Siegerstraße enteilte. Den 13:14-Rückstand (36.) drehte der HV Chemnitz recht souverän in einen 19:15-Vorsprung (41.), den der Gast nicht mehr aus der Hand gab: „Wir haben in dieser Phase den Faden verloren und Chemnitz zu einfachen Toren eingeladen“, konnte es die im ersten Durchgang starke Abwehrspielerin Isabel Marienfeld einfach nicht fassen. Was Torhüterin Carolin Menn ähnlich ging, nachdem sie in der 40. Minute das Gehäuse ihrer Mitstreiterin Nele Röhrs überließ. An der sich abzeichnenden Niederlage konnte auch sie nichts mehr ändern. Zwar verkürzte die HSG noch einmal per Siebenmeter durch Maike Rombach auf 18:20 (51.), doch das war nur ein schnell erlöschendes Strohfeuer.

Der HV Chemnitz machte hingegen auch weiterhin tüchtig Dampf. „ Wir haben eben eine geile Mannschaft, die bis zur letzten Minute gekämpft und Teamspirit bewiesen hat“, jubelte Kerstin Streit: „Wir haben einfach nur an den Erfolg geglaubt.“ Auch Gästecoach Thomas Sander zog den Hut vor seinem Team: „Das war eine echte Willensleistung. Schließlich haben bei uns drei Leistungsträgerinnen gefehlt.“

Balsam auf die schmerzhaften Wunden trug HSG-Vorstandssprecher Holger Lapschies auf: „Wir sollten jetzt nach vorne schauen. Wir werden in dieser Liga noch etwas reißen.“ Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die nach ihrem Kreuzbandriss vor gut drei Wochen operierte Annika Hollender ist nach eigenem Bekunden schmerzfrei: „Mein Traum wäre nach der mehrmonatigen Reha in dieser Saison noch das ein oder andere Spiel zu bestreiten.“

HSG-Tore: Rombach (5/3), Strahlke (4), Breiding, Hille (je 3), Marienfeld, Al Najem (je 2), Kunze (1) – Grützmann (8) und Schumann (4) erzielten die meisten Treffer des HV Chemnitz.

Von Ferdinand Jacksch